Strohboid in Stübing: Holzgitterschale und Schindeldach

Written by Sunday, 03 December 2017
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Aus den beim Aufbau der inneren Gitterschale gewonnenen Erfahrungen wurde eine neue Technik für den Bau der äußeren Gitterschale entwickelt.

Je länger der Hebel ist, desto leichter lassen sich die Holzlatten in Form biegen.

Indem wir für das äußere Holzgitter die Buchenlatten am Boden zusammenschraubten und in voller Länge über die fertige Geometrie der Strohballen biegen konnten, sparten wir 3/4 der Zeit im Vergleich zur ersten Konstruktionsweise.

Zum Sperren des Holzgitters in der dritten Richtung wurden horizontale Latten eingefügt. Bei der inneren Gitterschale dienten sie zusätzlich als Halterung für die Strohballen. Bei der äußeren Gitterschale sind sie gleichzeitig die Dachlatten.

Für den Abschluss an den auskragenden Spitzen der Konstruktion mussten Ober- und Untergurt miteinander verbunden werden. Dafür wurden Verbindungsstege aus Holz angeschraubt.

Um genügend Auflagefläche zu bieten, waren die äußersten Holzlatten an den Rändern der Gitterschale 12 cm breit. Dadurch war es schwieriger, die Buchenlatten in die gewünschte Geometrie zu biegen.  Beim Einbau machte wiederum die schlechte Arbeitsposition zu schaffen, da das Gerüst nicht weit genug auskragte. Mit etwas Mühe gelang es aber, alle Verbindungsbrettchen in Form zu bringen.




Der Mensch vertraut seit Jahrtausenden auf Holzschindeln, besonders bei rauem Klima bieten sie entscheidende Vorteile, sodass sowohl Dächer als auch Wände mit ihnen verkleidet werden.

Die Urform, die Legschindeln, waren mit Steinen beschwert. Heute werden Schindeln grundsätzlich genagelt.

Es gibt zwei Schindelarten, die sich durch ihre Herstellung unterscheiden: die Säge- bzw. Brettschindel und die Spaltschindel. Letztere ist deutlich langlebiger, was mit mehreren Techniken erreicht wird. Durch das Spalten gibt es keine offenen Fasern in der Holzoberfläche, sodass Wasser nicht eindringen kann. Sie sind außerordentlich dünn, zwischen 4 und 18 mm, um ein schnelles Austrocknen zu gewährleisten.*

Bei Nässe quillt das Holz an der Oberfläche und schließt das Dach in wenigen Augenblicken. Beim Trocknen geschieht das Gegenteil und im Dach öffnen sich viele kleine Spalten zur besseren Durchlüftung. Auch dieser „Tannenzapfen-Effekt“ erhöht die Lebensdauer von Schindeldächern.**

Pro Holz Steiermark sponserte uns 7 m³ Lärchenbretter, mit denen wir das Dach in 2,5-facher Deckung legen konnten.

Um Zeit zu sparen, wurden die Schindeln mit der Kettensäge aus dem ganzen Holzstapel geschnitten, der mit Spanngurten gesichert war. Die Brettschindeln wurden möglichst lang gelassen, was aber vom Krümmungsradius begrenzt war. Seitlich wurde bis in 4 Meter Höhe mit 1 m langen Brettern gelegt, die klassisch gestaffelt waren. Darüber wurde auf eine einfache Legart gewechselt, damit die Brettschindeln nicht zu weit abstehen und vom Wind abgehoben werden können.

Mit der Unterstützung von vielen Freunden konnte das Schindeldach innerhalb von einer Woche fertiggestellt werden.

Kaum 5 Minuten nach der Vollendung des Dachs wurde es von einem heftigen Gewitter auf seine Funktion geprüft.
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Last modified onFriday, 12 January 2018 13:58